Tag 8 - Faktisch oder emotional

Das eigentliche Gesprächsthema macht den kleinsten Anteil gelungener Beziehungskommunikation aus. Tatsächlich bestimmt selten der Inhalt die Gefühle beider Parteien. Genau darum geht's aber meistens bei der zwischenmenschlichen Kommunikation. Was außerdem hilft: Zu akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich kommunizieren.

Was ich sage vs. Was du hörst

Wir Menschen können so stur sein. Am stursten sind wir häufig den Personen gegenüber, mit denen wir am meisten Zeit verbringen. Und da ist er wieder: der Klischee-Beziehungsstreit.
Selbst wenn zwei Menschen dieselbe Absicht im Kopf haben, springen ganz andere Worte über ihre Lippen. Würde man zwei Menschen einen Wunsch formulieren lassen, wie sie sich in Zukunft öfter wieder „entspannte Zweisamkeit“ vorstellen, gäbe es vielleicht dieses Szenario:

Unterschiedliche Aussagen und gleiche Botschaften

„Ich möchte gerne wieder öfter mit dir schlafen.“

- Die Aussage strebt eine Aktivität an.
- Sie verneint aber keine Gefühle.
- Sie verneint also nicht die folgende Aussage:

„Ich möchte, dass du mir wieder öfters deine Liebe zeigst.“

- Diese Aussage strebt Gefühle an.
- Sie verneint aber keine Aktivität.
- Sie verneint also nicht die vorherige Aussage.

Merke: Unterschiedlich ausgedrückt kann in den Aussagen die gleiche Botschaft stecken.

Unterschiede akzeptieren

Wenn du einmal akzeptiert hast, dass sich die Person dir gegenüber anders ausdrückt, fällt Kommunikation häufig leichter. Außerdem drücken wir uns alle ein bisschen unterschiedlich aus. Bevor du dich durch eine Frage oder Aussage angegriffen fühlst, frage dich folgendes: Was ist der Inhalt des Gesprächs? Was offenbart die andere Person (unfreiwillig) mit dem Gespräch über sich? Was will mein Gegenüber mit dem Gespräch (bei mir) erreichen? Wie fühle ich mich durch die Art des Gesprächs behandelt? Auf diese Weise kannst du eine ganze Menge zwischen den Zeilen einer Unterhaltung oder eines Streits lesen.

Streiten oder nicht streiten

Es geht nicht darum, gar nicht miteinander zu streiten. Es geht darum, wie miteinander umgegangen wird. Wenn ich mit etwas faktisch eindeutig recht habe, kann mein Gegenüber dennoch voller Wut reagieren. Der Ursprung liegt dann vielleicht nicht in der Thematik. Vielleicht geht es darum, wie miteinander gesprochen wird, welche Position akzeptiert oder nicht akzeptiert wird.

Ein ordentlicher Streit kann sogar reinigend sein. Menschen kommunizieren ihre tiefsten Bedürfnisse ganz unterschiedlich. Für manche gehört Streit dazu. Menschen in glücklichen Beziehungen streiten nicht zwingend seltener als in unglücklichen. Was sie aber unterscheidet: Sie stehen sich mit Respekt und Einfühlungsvermögen gegenüber.

Körpersprache

Egal, ob du deine Gefühle auf einem Silbertablett vor dir herträgst oder du bei emotionalen Themen sofort die inneren Rollläden zumachst – eine Form der Kommunikation gilt für alle: die Körpersprache. Wer nicht reden will, schweigt. Auch das ist eine Art von Kommunikation. Wir können nicht nicht kommunizieren. Niemand kann sich nicht verhalten. Mit allem, was du tust oder eben lässt, trittst du mit anderen in Beziehung. Besonders in Liebesbeziehungen sind es Gestik und Mimik, die zeigen, ob sich dein Gegenüber richtig verstanden, respektvoll behandelt und akzeptiert fühlt.

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit Dr. med. Carla Pohlink, Ärztin und Sexualtherapeutin in Altenburg arbeitet.
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Lisa

Lisa Claus ist die SiClaro Hausautorin und führt dich textlich durch die 90 Tage Journey